Herdenschutzhunde schützen Geparde

Das Herdenschutzhunde-Programm des Cheetah Conservation Fund (CCF) ist bereits seit 1994 ein erfolgreiches, innovatives Konzept, um Namibias wildlebende Geparde zu schützen und den bestehenden Mensch-Wildtier-Konflikt zu lösen. 

Viele Farmer sehen in Geparden eine Bedrohung für ihre Nutzviehbestände. Aus diesem Grund wurden Geparde bisher wahllos von den Farmen „entfernt“ – sprich erschossen. Durch die vom CCF entwickelte Methode zum Schutz des Nutzviehs und dem damit verbundenen Einsatz von Herdenschutzhunden konnte bei vielen ortsansässigen Farmern ein Umdenkprozess initiiert und das Leben vieler Geparde gerettet werden. Die Aktionsgemeinschaft Artenschutz (AGA) e.V. ist die Partnerorganisation des CCF in Deutschland und unterstützt den Einsatz der Herdenschutzhunde zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Geparde.

Das Dilemma der Geparde

In freier Wildbahn gibt es nur noch etwa 7.100 Geparde. Davon leben etwa 3.000 Tiere in Namibia, das damit die weltweit größte Population beheimatet. 95% dieser Großkatzen leben auf kommerziell oder kommunal genutztem Farmland, auf dem Viehzucht betrieben wird. Der Konkurrenzdruck durch größere Raubtiere vertreibt die Geparde aus Schutzgebieten. Da Löwen und Leoparden auf den Farmen und damit außerhalb der Schutzgebiete praktisch vollständig ausgerottet wurden, eröffnete sich hier für die Geparden eine Nische mit ausreichend Wasser und Beutetieren, wobei der Gepard in der Regel fast ausschließlich Wildtiere als Nahrung nutzt. Trotz allem führt die gemeinsame Landnutzung des Farmlandes zu Konflikten, bei denen die Geparde den Kürzeren ziehen. 

Verstärkt wurde dieses Problem in den 1980er Jahren, in denen in Namibia lange Dürreperioden vorherrschten. Die natürlichen Beutetiere der Geparde starben bzw. sie wurden von den Farmern abgeschossen, um das wenige Weidegras und Wasser für ihre Nutztiere zu sichern. Ohne ihre natürlichen Beutetiere verlegten sich manche Geparde auf das Jagen von Nutzvieh. Bis heute werden Geparde von vielen Farmern fälschlicher Weise für die größte Bedrohung ihrer Herden gehalten. 

In Namibia sind Geparde eigentlich eine geschützte Art. Wenn sie aber in Konflikt mit Menschen und Nutzvieh geraten, sind die Farmer berechtigt, sie von ihrem Farmland zu „entfernen“. Das Fangen in Fallen und das anschließende Erschießen von Geparden, die der Farmer als Gefahr für sein Vieh ansieht, sind somit leider erlaubt. Manchmal kreuzen die Geparde auf ihren Wanderungen lediglich die Farm, werden aber sofort als „Problemtier“ abgestempelt. Das Ziel des CCF ist es, mit den Rinder- bzw. Schaf- oder Ziegenfarmern Wege zu finden, mit den Geparden zusammen zu leben. 

Der Kangal (Türkischer Herdenschutzhund)

Der Kangal stammt aus dem trockenen anatolischen Hochland in der Türkei und Kleinasien und entwickelte sich bereits vor ca. 6.000 Jahren. Das Klima dieser Region ist dem von Namibia recht ähnlich, mit sehr wenig Regen, extrem heißen Sommern und kühlen Wintern. Durch gezielte Zucht entstand der „ideale“ Herdenschutzhund. Aufgabe der Hunde ist es, die Herden in Abwesenheit von Menschen in weitläufigen Gebieten zu hüten. 

Kangals haben ein helles kurzes Fell mit meist dunkler Zeichnung im Gesicht. Sie sind von großer, imposanter Gestalt. Die Rüden werden teils über 60cm groß und 70 – 75 kg schwer. Sie haben massive große Schädel und einen breiten Brustkorb. Der Körper verjüngt sich nach hinten. Ihr ausgezeichnetes Seh- und Hörvermögen und die starke Bindung an ihre Herde machen sie zu idealen Herdenschutzhunden.

Arbeitseinsatz eines Herdenschutzhundes 

Das Herdenschutzhunde-Programm des CCF setzt auf selektive Zucht der Hunde, sorgfältige Auswahl und ein Training der Farmer, die einen Hund erhalten, damit die Hunde zu guten Beschützern ihrer Herden werden. Folgebesuche stellen sicher, dass die Hunde gut gehalten und versorgt werden. 

Ziel des Herdenschutzhunde-Programms ist es, die Welpen mit der Herde aufwachsen zu lassen, so dass sie sich an die Herde und nicht an Menschen binden. So nehmen die Hunde ihre Rolle als Beschützer „ihrer“ Herde an. Dieses Programm ist eine Weiterentwicklung des Nutzviehmanagements, das einige namibische Farmer schon früher mit kleineren Hunderassen praktizierten. Die Einführung der Kangals ist eine effektive Weiterentwicklung dieser Methode. Durch Aufklärungsarbeit und ein Trainingsangebot für Farmer, wird der verstärkte Einsatz von Herdenschutzhunden im Gepardenlebensraum gefördert. 

Die Welpen werden mit sieben bis acht Wochen von ihrer Mutter entwöhnt und mit ihrer Herde vergesellschaftet, da dies das kritische Alter ist, in dem die Welpen sich an die Herdentiere binden. Die jungen Hunde gehen sofort mit dem Hirten und der Herde auf die Weide, um sich an das Verhalten der Herden- und Wildtiere zu gewöhnen. Ein Eingreifen des Menschen wird auf ein Minimum reduziert, um die Beziehung zum Menschen zu begrenzen, da es die Bindung an die Herde mindern würde. Trotzdem müssen die Welpen sorgfältig beobachtet und langsam an ihre Arbeit und die Gefahren des afrikanischen Busches (Schlangen, Raubtiere, Zecken, Verirren usw.) herangeführt werden. Die Hirten müssen ihre Hunde jeden Tag sorgfältig auf Zecken, Krankheitsanzeichen und Verletzungen untersuchen. Ein gut trainierter, gesunder Kangal ist ein imposanter und erfolgreicher Schutz gegen den Verlust von Herdentieren an Raubtiere. 

Der Herdenschutzhund lebt mit seiner Herde, isst, schläft und wandert mit den Tieren. Der Hund ist immer wachsam, da er seine Herde gegen viele Bedrohungen beschützen muss. Einige Hunde des CCF haben ihre Herde schon gegen Paviane, Schakale, Geparde, Leoparden und sogar Menschen verteidigt. Die Hunde werden dabei nicht darauf trainiert zu hetzen oder anzugreifen, sie sollen bellen und durch ihre imposante Erscheinung den Angreifer verscheuchen. Geparde sind normalerweise nicht aggressiv und ziehen sich von einem bellenden Hund zurück. Doch gelegentlich sind die Hunde gezwungen, ihre Tiere auch physisch zu verteidigen.

Herdenschutzhunde beim CCF 

Die Herdenschutzhunde des CCF werden alle in Namibia auf dem Gelände des CCF Forschungs- und Bildungszentrums und der Modellfarm gezüchtet. Der CCF führt ein Zuchtbuch, um für jeden Hund die Zuchthistorie, seine neue Heimat auf einer Farm und die Arbeit des Hundes zu dokumentieren.

Das Herdenschutzhunde-Programm ist eine der größten Unternehmungen des CCF. Um die Zucht und medizinische Behandlung der Hunde sowie das Training der Farmer, die einen Hund erhalten, finanzieren zu können, ist das Projekt auf Spenden angewiesen. Je mehr Hunde wir einsetzen können, desto höher werden natürlich auch die Kosten. 

 

Mit Ihrer Spende oder der Übernahme einer Patenschaft für das Herdenschutzhunde-Programm helfen Sie, dieses wirksame Programm zum Schutz der wildlebenden Geparde zu ermöglichen. 

 

Bilder:
© CCF