AGA-NEWS

Jahresrückblick 2021 - Keine Atempause für den Artenschutz

Auch 2021 war ein Jahr im Griff der Corona-Pandemie, verursacht durch Naturzerstörung und Wildtierhandel. Die Auswirkungen der Pandemie treffen weiterhin besonders ärmere Länder, zu denen auch viele Projektregionen der AGA zählen. So hat beispielsweise der Einbruch des Tourismus – einer wichtigen Einkommensquelle in diesen Gebieten – die Wilderei und Mensch-Wildtier-Konflikte deutlich verschärft.

Bereits im ersten Coronajahr 2020 hat die AGA schnell und unbürokratisch einen Rettungsschirm für Tiere in Not aufgespannt. Die erfolgreichen Maßnahmen wurden auch im zweiten von Corona geprägten Jahr fortgesetzt. Von Herzen danken wir all unseren Unterstützern: Mit Ihrer Hilfe war es möglich, unsere wichtige Arbeit zum Schutz bedrohter Arten aufrecht zu erhalten und zahlreiche Erfolge für die Natur zu erzielen. Einige Beispiele stellen wir Ihnen hier vor.



Bilder © TSA

Versorgung & Auswilderung beschlagnahmter Schildkröten

Das vergangene Jahr begann mit einer wunderbaren Meldung: In einer der von der AGA unterstützten Schildkröten-Auffangstation auf Madagaskar war die erfolgreiche Nachzucht der Madagassischen Schnabelbrustschildkröte gelungen. Die Art zählt zu den hundert am stärksten vom Aussterben bedrohten Arten der Welt. Wir freuen uns sehr über diesen Erfolg, ist er doch ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Rettung dieser einzigartigen Reptilien.

Und dann war es endlich soweit: Nach der Verzögerung durch die Coronapandemie konnte endlich die Auswilderung der Strahlenschildkröten auf Madagaskar beginnen. Die ersten 1.000 der mittlerweile mehr als 26.000 Strahlenschildkröten, die in den von der AGA unterstützten Auffangstationen der Turtle Survival Alliance (TSA) gepflegt und aufgepäppelt werden, wurden in den Süden Madagaskars gebracht. Die dortigen Dornwälder sind die ursprüngliche Heimat dieser bedrohten Reptilien und diese erste Auswilderungsaktion ist Teil eines ehrgeizigen Pilotprojekts. Nach Jahren intensiver Vorbereitung und durchdachter Planung wurde eine Strategie erarbeitet, nach der sukzessive auch die verbliebenen rund 25.000 beschlagnahmten Strahlenschildkröten ausgewildert und geschützt werden sollen. Als verlässlicher Partner unterstützt die AGA die Unterbringung und Pflege der Schildkröten weiterhin finanziell – bis sie wieder in die Wildnis zurück kehren können. 



ein Elefant wird umgesiedelt
Wildhüter löschen Buschfeuer im Tsavo
Yatta mit Yogi; Bilder © SWT

Schutz von Elefanten und Giraffen

Im vergangenem Jahr fand die bisher umfangreichste Wildtierzählung in Kenia statt. Drei Monate lang wurden 30 Tierarten erfasst, u.a. per Flugzeug oder Hubschrauber, zu Fuß, mit Fahrzeugen und Kamerafallen. Die Ergebnisse sind ermutigend: Die Wildtierbestände erholen sich langsam von der schlimmen Wildereikrise 2014. Im Rahmen der Wildtierzählung wurden in ganz Kenia 36.169 Elefanten gezählt, 2014 waren es nur etwa 32.000 Tiere. Bei den Giraffen ist der Anstieg von etwa 23.000 Tieren vor zwei Jahren auf über 34.240 Tiere besonders erfreulich.

Besonders positiv wird bewertet, dass sämtliche Wildhütereinheiten auch in der Coronakrise weiterfinanziert wurden, um die Wilderei zu unterbinden. So ist auch das von der AGA finanzierte Mtito-Wildhüterteam unserer Partnerorganisation Sheldrick Wildlife Trust (SWT) auch während der Coronakrise durchweg im Einsatz, um die Wildtiere im Tsavo East Nationalpark zu schützen. Im Jahr 2021 war dies insbesondere dank der Förderung durch den 24guteTaten Adventskalender möglich.

Die Wildhüter haben nicht nur Fallen aufgespürt und Wilderer gestellt, sondern z.B. auch Buschbrände gelöscht und auch einen Elefanten, der immer wieder in Konflikte mit Dorfbewohnern geraten ist,  umgesiedelt. Es bestand die Gefahr, dass er ansonsten getötet worden wäre.

Wie erfolgreich die Aufzucht und Auswilderung verwaister Elefantenbabys verläuft, zeigt dieses schöne Beispiel: Die ausgewilderte Elefantenwaise Yatta hat erneut Nachwuchs in der Wildnis bekommen. Der kleine Yogi ist bereits Yattas drittes in Freiheit geborenes Baby und ein weiterer kleiner Hoffnungsträger seiner Art. Für die Pfleger und auch die Elefanten in der Auswilderungsstation war es eine große Freude, als die beiden ihnen einen Besuch abstatteten. Mittlerweile wurden mehr als 45 Elefantenbabys von ausgewilderten Elefantenwaisen geboren.

All diese Nachrichten berühren und freuen uns sehr, zeigen sie doch auf wundervolle Weise, dass unsere Arbeit Früchte trägt. Jedes Elefantenbaby und jeder gerettete Elefant ist ein Hoffnungsträger für das Überleben dieser charismatischen Dickhäuter.

Patengepard Hans

beschlagnahmte Gepardenbabys

ausgewilderte Geparde
Mias Welpen - Bilder © CCF

Schutz der Geparde

2021 war ein intensives Jahr im Gepardenschutz. Nach Kräften hat die AGA ihre Kollegen vom Cheetah Conservation Fund (CCF) unterstützt, die trotz Corona weiter engagiert im Einsatz sind. Nicht nur die Geparde in ihrer Obhut müssen stets gut versorgt und artgerecht untergebracht sein. Immer wieder mussten auch im vergangenen Jahr Mensch-Wildtier-Konflikte geschlichtet, verletzte Geparde medizinisch versorgt und zahlreiche Gepardenbabys aus Wildererhänden gerettet werden.

Geparden-Auffangstation in Somaliland

Ende 2021 wurden innerhalb von zwei Monaten bei vier Beschlagnahmungen insgesamt elf kleine Gepardenbabys gerettet. Die Wilderer verdienen ihr Geld mit dem Schmuggeln der Jungtiere, und leider muss man davon ausgehen, dass die Gepardenmütter beim Fang ihrer Jungen getötet wurden. Die elf kleinen Geparde waren zum Zeitpunkt ihrer Rettung zwischen fünf und sechs Wochen alt und wie durch ein Wunder befanden sich zehn von ihnen in einem guten Zustand. Nur ein einzelnes Gepardenbaby war in einem viel schlechterem Zustand, weil es wahrscheinlich schon länger in den Händen der Wilderer war. Seine zwei Geschwister hatten die Gefangenschaft leider nicht überlebt.

Jungen, die in diesem frühen Alter ihren Müttern weggenommen und in Gefangenschaft gehalten werden, leiden in der Regel unter schweren Folgen von Unterernährung und Dehydration, und viele sterben. Deshalb werden die Kleinen jetzt in der von der AGA unterstützten Geparden-Auffangstation in Hargeisa liebevoll gepflegt, medizinisch versorgt und aufgepäppelt. Unsere Kollegen vor Ort sind rund um die Uhr im Einsatz und wir hoffen, dass sich alle kleinen Geparden von ihrer Tortur erholen werden. Mit allen Neuzugängen versorgten sie Ende 2021 mehr als 70 (!) beschlagnahmte Geparde – eine große Herausforderung. Denn junge Geparde brauchen spezielles Futter, besondere Pflege rund um die Uhr und sie müssen regelmäßig vom Tierarzt untersucht werden.

Auswilderung von Geparden

Ein schönes Beispiel für die erfolgreiche Arbeit im Geparden-Schutzprojekt ist die Auswilderung von fünf jungen verwaisten Gepardenmännchen im privaten Naturschutzgebiet, dem Erindi Private Game Reserve in Namibia. Die Geparde wurden für einige Zeit beobachtet, um sicherzugehen, dass sie in der Wildnis überleben. Die fünf Geparde sind zusammengeblieben und haben eine sogenannte Koalition gebildet. Sie wandern zusammen, putzen sich gegenseitig und jagen und fressen auch zusammen. Eine gute Voraussetzung, um dauerhaft in der freien Wildbahn zu überleben.

Herdenschutzhunde-Programm

Das Herdenschutzhunde-Programm beim CCF in Namibia wächst und gedeiht. Auch 2021 gab es wieder mehrfach Nachwuchs bei den Kangals. Die Zuchthündinnen sind wohlauf und ihre tapsigen Welpen haben sich prächtig entwickelt. Die Kleinen werden an ausgewählte Farmer in der Region abgegeben und als Beschützer in ihre Viehherde integriert. So übernehmen die Hunde eine wichtige Rolle beim Schutz der Geparde.


Bilder (c) Bahari Hai

Rettung und Versorgung von Meeresschildkröten

Obwohl die Auswirkungen der Corona-Pandemie die wichtige Arbeit der Wildhüter an den Niststränden der Schildkröten erschwerte, war die Nistsaison 2021 dennoch sehr erfolgreich. Mehr als 70 Nester wurden von Meeresschildkröten am Strand von Watamu vergraben. Der unermüdliche Einsatz und die Patrouillen der Wildhüter haben Wilderer erfolgreich von der Plünderung der Nester abhalten.

Mehr als 20.000 Meeresschildkröten, die als Beifang in Fischernetzen gelandet waren, konnten in unserem Meeresschildkrötenprojekt in Kenia bis heute bereits gerettet werden. Durch die wichtige Arbeit mit den lokalen Fischern, konnte sicher eine noch größere Zahl dieser faszinierenden Reptilien geschützt werden. Mit Unterstützung der AGA wird den lokalen Fischern gezeigt, wie sie fischen können, ohne Meeresschildkröten zu verletzen oder gar zu töten.

Außerdem hat eine Untersuchung in unserem Meeresschildkrötenprojekt in Watamu gezeigt, dass Beifang mit neuartigen Baumwollnetzen deutlich reduzierten werden kann. Deshalb haben wir im letzten Jahr damit begonnen, die Netze der Fischer zu tauschen. Für die meisten Fischer sind die schildkrötenfreundlichen Netze unerschwinglich.

Luchsbild aus der Fotofalle © Milvus Group

Schutz der Luchse

Wir sind erfolgreich auf die Fährte der Luchse gekommen, denn die Wildkameras in den Karpaten Ost-Transsilvaniens, die im Rahmen unseres neuen Luchsprojekts 2021 aufgestellt wurden, lieferten erste Aufnahmen und somit wichtige Informationen, um die Lebensweise der großen Katzen verstehen und sie dann besser schützen zu können. 


Bilder (c) SVW

Schutz der Schuppentiere

Im vergangenen Jahr waren die Wildhüter unserer Partnerorganiastion Save Vietnams Wildlife weiter unermüdlich im Einsatz. Sie haben mehr als 74.000 km zurück gelegt und dabei mehr als 4.000 Fallen aufgespürt, eingesammelt und unschädlich gemacht. Das ist eine großartige Leistung. 

Mehr als 190 Tiere wurden gerettet. Darunter waren neben Schuppentieren auch 100 Schleichkatzen und sogar 7 Tigerbabys. Besonders erfreulich ist, dass 71 Prozent der geretteten Tiere schon wieder in die Wildnis entlassen werden konnten. Darunter war auch ein Schuppentierbaby mit seiner Mutter und 7 von Hand aufgezogene verwaiste Bengalkatzen. 

Bild (c) Taxiarchis
Bild (c) RANCHEROS
Bilder (c) ANIMA

Tiernotrettung bei Waldbränden in Griechenland

Schwere Waldbrände loderten in den Sommermonaten 2021 über Wochen in Griechenland. Weite Landstriche auf dem Festland und mehreren Inseln wurden von Feuern zerstört. Unzählige Wildtiere waren betroffen, aber auch Haus- und Nutztiere. Ihre Besitzer haben meist alles verloren. Die AGA unterstützte umgehend lokale Partner in den betroffenen Gebieten, um die durch die Brände verletzten Tiere zu retten, zu pflegen und unterzubringen.

So konnten wir mehrere Pop-up Kliniken errichten und einige Kliniken werden auch weiter bestehen. So konnte beispielsweise in einem Container ein Behandlungszimmer eingerichtet werden, in dem auch weiterhin verletzte Wildtiere und Streuner versorgt werden. Auch Kastrationsaktionen, um die Schar verwilderter Hunde und Katzen einzudämmen, sind geplant.

Auf Euböa war ein Gnadenhof für Pferde den Flammen zum Opfer gefallen. Viele Pferde hatten schwere Verbrennungen und insbesondere schwere Verletzungen an den Hufen und Beinen erlitten.

Unzählige Wildtiere wurden teils schwerst verletzt aufgefunden, darunter zahlreiche Landschildkröten, aber auch viele Vögel. Auch nachdem die Waldbrände gelöscht waren, wurden weiterhin viele verletzte Tiere gefunden.  Auch zu Beginn unverletzte Tiere litten nun unter der Zerstörung ihres Lebensraumes. So stieg die Anzahl verletzter Tiere nicht nur durch die Brände stetig an. Unsere Kollegin Maria Ganoti kümmert sich aufopferungsvoll um die zahlreichen Pfleglinge, die in ihrer Station untergebracht sind. Sie steht stellvertretend für die vielen Tierschützer, die mit viel Herz im Einsatz sind.


Bilder © AGA

Aktionen 2021 coronabedingt nur eingeschränkt möglich

2021 konnten coronabedingt leider nur wenige Infostände und Aktionendurchgeführt werden, wie beispielsweise zum Kinderfest in Stuttgart oder Weltgepardentag in der Wilhelma, wo die neue Artenschutz-Ausstellung der AGA gezeigt werden konnte.

Die AGA hat auf diese Situation reagiert und die Elefanten-Ausstellung verfilmt und passende Unterrichts- und Bastelmaterialien bereitgestellt. Im neuen AGA Bastelbilderbuch Artenschutz und Fairer Handel lernen Kinder, was Artenschutz mit Fairem Handel zu tun hat. Zudem wurde der AGA Souvenir-Ratgeber neu aufgelegt.

Wir hoffen, dass wir 2022 wieder öfter Infostände und Aktionen durchführen können.

Besondere Spendenaktionen

Helfen statt Schokolade

2021 war die AGA bereits zum sechsten Mal im 24guteTaten Adventskalender vertreten. Hinter der guten Tat verbargen sich pro Kalender eine Woche Pflege für 5 gerettete Schildkröten in Madagaskar. Knapp 26.000 Strahlenschildkröten wurden aus den Fängen von Wilderern befreit und werden nun in den von der AGA unterstützten Auffangstationen gepflegt bis sie wieder ausgewildert werden können. Dank der Unterstützung durch den 24guteTaten Adventskalender und allen Spender*innen, die sich diesen tollen Adventskalender nach Hause geholt haben, können Tausende Schildkröten gut versorgt werden. Wir danken ganz herzlich für diese wertvolle Hilfe!

Aussortierte Kleidung für den Schutz der Geparde

Die AGA war 2021 wieder bei der Altkleider-Spendenaktion Platz schaffen mit Herz dabei. Bei der Aktion konnte jeder, der Platz im Kleiderschrank schaffen wollte, gut erhaltene Frauen-, Männer-, Kinderkleidung und Schuhe an die "Platz schaffen mit Herz"-Aktion senden und für sein Lieblingsprojekt abstimmen. Für das Projekt der AGA zum Schutz der Geparde kam durch die Altkleiderspenden ein Erlös von 500 Euro zusammen. 

AGA Charity-Auktionen mit prominenten Unterstützern

Im Rahmen der AGA Charity-Auktionen bei United Charity konnten tolle Preise und besondere Erlebnisse ersteigert werden. Dabei sind wir großartig unterstützt worden. Wir bedanken uns bei Katja Brandis, Hannes Jaenicke, Dr. Eckart von Hirschhausen, dem NamShop und weiteren Unterstützern für das tolle Engagement. Katja Brandis hat sich zudem auch mit einer Lesung und Spendenaktion bei Betterplace für den Schutz der Geparde eingesetzt. 

Die AGA bedankt sich ganz herzlich für die wertvolle Unterstützung dieser Spendenaktionen!

Unterstützung im Internet

Im Jahr 2021 konnten im Internet zahlreiche Spenden für den Artenschutz gesammelt werden. Internetnutzer können sich auf unterschiedliche Arten für den Artenschutz einsetzen und die AGA unterstützen, beispielsweise

- durch eine Spende von Call a Bike/Werde Radgeber-Social Coins

- durch eine Spende von Payback-Punkten

- indem sie ihren Interneteinkauf über die Plattform WeCanHelp (vorher: boost) beginnen oder die WeCanHelp Kreditkarte nutzen

- im Tarif des sozialen Mobilfunkanbieters goood

Die Facebook-Seite der AGA erfreut sich wachsender Beliebtheit. Zudem ist die AGA auch auf Twitter , Instagram und Pinterest unterwegs.

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