Bitte nicht Fliegen lassen

Ein Luftballonstart sieht toll aus – transportiert aber gefährlichen Müll in die Umwelt.

Kinder lieben Heliumballons. Den Kopf weit im Nacken, fasziniert von den bunt tanzenden Flecken am Himmel schauen sie ihnen hinterher – ein schöner Augenblick. Die Luftballons werden zu winzigen Punkten, bald schon sind sie ganz aus dem Blickfeld geflogen. Doch verschwunden sind sie nicht: Als Müll kehren sie unkontrolliert und unbeachtet wieder zur Erde zurück, landen oft Hunderte von Kilometern weiter in Wiesen und Wäldern, in Flüssen und Meeren – und werden völlig unnötig zur Gefahr für Tiere.

Risiken für Tiere und Umwelt

Vögel, Meeresbewohner und viele andere Tierarten leiden unter den bunten Fetzen. Sogar Delfine und Wale, Meeresschildkröten und Seevögel verheddern sich in den angeknüpften Schnüren, oder verwechseln Kautschukteile mit Nahrung und verschlucken ganze Ballons. Der zähe Kunststoff kann nicht verdaut werden, und reichert sich nach und nach im Magen oder Darm der Tiere an  – bis diese jämmerlich verhungern.

Ballons zersetzen sich langsam und enthalten Giftstoffe

Ballons aus synthetischem Gummi gefährden Tiere über eine lange Zeit.Ihre zu Mikropartikeln zerfallenen Überreste bleiben über Jahrhunderte in der Umwelt erhalten. Doch auch die viel gelobten Luftballons aus Naturkautschuk sind problematisch.

Zwar werden sie von den Herstellern als „biologisch abbaubar“ beworben: Sie würden genauso schnell verrotten wie ein Eichenblatt, heißt es oft. Dass dieser Prozess trotzdem über viele Monate bis hin zu Jahren dauern kann, wird aber verschwiegen. Genug Zeit für die schlappen Ballons, großen Schaden in der Tierwelt anzurichten.

Zudem enthalten auch sie künstliche Zusatzstoffe wie Weichmacher oder Vulkanisationsbeschleuniger, Ozonschutzmittel und Farbstoffe, die giftig für Organismen sein können. Und auch das in die Ballons gepumpte Helium ist – als endliche Ressource, die unter hohem Energieverbrauch gewonnen wird – ökologisch mehr als fragwürdig.

Ballons legen große Distanzen zurück...

Ein Beispiel aus Frankreich zeigt die Distanzen, über die Luftballons problemlos getragen werden: Im Sommer 2007 fanden französische Meeresökologen an der Küste der Normandie massenweise orangefarbene Luftballons. Die Ballons hatten eine Strecke von über 800 Kilometern zurückgelegt: Gestartet waren sie in den Niederlanden, am Feiertag zu Ehren der Königin.

Theoretisch sind noch weit größere Distanzen möglich. Was bei Ballonstarts mit angehängten Postkarten oft zum spaßigen Wettbewerb ausgerufen wird – wessen Ballon wird die längste Reise tun? – gerät in der Realität zum unkontrollierbaren Risiko. Es lässt sich nicht abschätzen, wo die Luftballons als Müll vom Himmel fallen und welchen Schaden sie dort anrichten.

... und landen als Müll in unserer Umwelt

Bei Festen und Feiern, zu Hochzeiten, Jubiläen oder Neueröffnungen steigen in der ganzen Welt täglich tausende von Luftballons in den Himmel. Die Menschen freuen sich für einen kurzen Augenblick – und haben schlicht kein Bewusstsein für die Folgen, die über Jahre fortbestehen können.

Kaum jemand würde wohl eine Handvoll kaputte Luftballons absichtlich in den Wald oder in einen See werfen – über Luftballonwettbewerbe ist es aber genau das, was passiert. Jeder Ballonstart trägt unkontrolliert gefährlichen Müll in die Welt.

Mit einfachen Alternativen und ein wenig Engagement können Sie helfen, diese völlig unnötige Gefahr zu vermeiden: 

  • Festhalten statt loslassen: Luftballons als Schmuck und Dekoration aufgehängt erfreuen nicht nur für einen kurzen Augenblick und können später kontrolliert entsorgt werden.
  • Aus Luftballons lassen sich mit ein wenig Geschick lustige Figuren oder ganze Skulpturen bauen. In einem gemeinsamen Event wird daraus ein großer farbenfroher Spaß – kreativer als ein Ballonstart, und einfacher zu entsorgen.
  • Wett-Aufpusten, das Platzenlassen von Luftballons (vielleicht sogar mit innen versteckten Überraschungen) oder Ballonstaffeln (kurze Distanz rennen, auf den Ballon setzen, sobald er platzt, läuft der Nächste los) sorgen für wilde Action.
  • Müssen es unbedingt Luftballons sein? Es entsteht in jedem Fall jede Menge Müll. Vielleicht wären wiederverwendbare Alternativen eine Überlegung wert. Flaggen, Banner oder Drachen sind bunt, wehen lustig im Wind und fliegen (fast) so hoch wie Heliumballons – jedoch können sie immer wieder verwendet und verschenkt oder gegen eine Spende abgegeben werden.
  • Auch Seifenblasen tanzen schön im Wind.
  • Und Blumen- oder Baumpflanzaktionen schaffen ein gemeinsames Erlebnis und sind deutlich nachhaltiger!

... der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

INFORMIEREN & WEITERSAGEN

Sie haben von einem geplanten Ballonstart gehört? Dann werden Sie aktiv!

Nutzen Sie unseren Musterbrief, um den Veranstalter zu bitten, von dem Start der Ballons abzusehen. Alternativ können Sie uns auch die entsprechenden Informationen zum Ballonstart und Veranstalter schicken, damit wir ihn anschreiben können.

Weitere Informationen:

Faktenblatt

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Bilder © 2: Stanley Park Ecolog, 3: Pam Bedsole, 4: W. Miller, 5: BC SPCA, 6, 7: Florida Fish and Wildlife Conservation Commission