Tierschutz im Urlaub

Immer öfter leiden Tiere unter Touristen. Für das eindrucksvollste Bild und die meisten Likes auf den sozialen Medienkanälen positioniert sich der Fotograf möglichst dicht am Geschehen – was besonders in freier Wildbahn und in Safariparks zum großen Problem wird, denn viele Urlauber verschwenden keinen Gedanken daran, welchen Preis ihre lebenden Motive dafür zahlen. Leider nehmen diese Fälle rapide zu. 

Lange Zeit waren es vor allem gut ausgerüstete Spiegelreflex-Fotografen, die sich mit Teleobjektiven auf die Jagd nach dem idealen Naturmotiv machten. In Zeiten der Smartphones knipst nun jeder Handybesitzer, mit begrenzter Bildqualität und Zoomfunktion. Dadurch verlieren die Touristen alle Hemmungen, das Maß für einen gesunden Abstand von und einen respektvollen Umgang mit Lebewesen. Safariguides fahren ihre anspruchsvollen Kunden immer näher an die Tiere und oftmals auch querfeldein, ohne Rücksicht auf Jungtiere, Lebensräume und das Stresslevel der tierischen Bewohner. Im Jahr 2015 wurden bei einem solchen Manöver in Kenia vier junge Geparden von einem Touristenbus überfahren.

Anfang des Jahres 2016 wurde ein seltener La-Plata-Delfin Opfer rücksichtsloser Selfie-Fotografen: Das Tier wurde aus dem Wasser gezogen und so lange von Touristenhand zu Touristenhand gereicht, bis es völlig dehydriert am Strand starb. Wenige Monate später quälten, schlugen und verletzten Strandtouristen im Libanon eine Karettschildkröte – alles dokumentiert per Smartphonekamera. 

Das Geschäft mit abgerichteten Wildtieren, wie Tanzbären oder Greifvögel, blüht auch wieder auf. Für ein Foto mit Bär oder Tiger sind Touristen wieder eher bereit, Geld auszugeben und auch dabei Tier- und Artenschutz auszublenden. Die in Gefangenschaft lebenden Tiere, welche für die Unterhaltung von Touristen dressiert werden, erfahren oftmals grausame Misshandlungen und werden zudem selten artgerecht gehalten. 

Möchte man zum Schutz der Tiere beitragen, sollte man in tierfreundliche Auffangstationen oder Waisenhäuser gehen. Diese erkennt man daran, dass die Besuchern die Tiere weder streicheln noch füttern dürfen. Sie betreiben keine Zucht und die Auswilderung der Tiere hat höchste Priorität.

Bei Safaritouren sollten unseriöse Anbieter gemieden und zweifelhafte durch Nachfragen und kurze Recherchen überprüft werden. Seriöse Angebote erkennt man daran, dass die Tiere respektvoll aus gebührendem Abstand beobachtet werden. Wer sicher gehen will, sollte bei seinem Reiseveranstalter nachfragen, welche Tierschutzstandards dieser einhält. Sollte ein Safariguide deutlich zu dicht auf ein Tier auffahren oder die Wege verlassen wollen, besteht die Möglichkeit, den Guide darauf hinzuweisen und umzustimmen. Sollte dies nicht funktionieren ist es wichtig, die Organisation an Behörden beziehungsweise Nationalparkverwaltungen zu melden, sodass ein solches Fehlverhalten zukünftig nicht mehr vorkommt. 

Foto 1 © Ziggy Livnat/ Marine Photobank

Foto 2-4 © AGA/Birgit Braun