DAS MEERESSCHILDKRÖTEN-SCHUTZPROJEKT AUF KISH

Meeresschildkröten im Iran in Gefahr 

Fernab aller politischen Probleme ereignet sich alljährlich ein faszinierendes Naturschauspiel im Iran. Seit Menschengedenken kommen Meeresschildkröten zur Eiablage an die Strände der Insel Kish. Mittlerweile sind die faszinierenden Meeresreptilien weltweit vom Aussterben bedroht und ihre Niststrände sind in Gefahr. Engagierte Artenschützer setzen sich, mit Unterstützung der AGA, im Iran für den Schutz der Meeresschildkröten und ihrer Eiablagestrände ein. 

Die iranische Insel Kish liegt nur rund 200 Kilometer entfernt von Dubai und etwa 1.500 Kilometer von der Hauptstadt Teheran. Sie ist eine Touristeninsel, gut besucht von Urlaubern aus Teheran und anderen großen Städten vom Festland. Viele von ihnen haben noch nie in ihrem Leben die teilweise über einen Meter großen Grünen Meeresschildkröten (Chelonia mydas) gesehen, die vor allem an der Südküste der rund 80 Quadratkilometer großen Insel zu beobachten sind. Auch gelb-bräunliche Echte Karettschildkröten (Eretmochelys imbricata) lassen sich manchmal blicken, allerdings braucht man dazu schon weit mehr Glück. 

So wie man überhaupt mehr Glück als noch vor zehn Jahren braucht, um hier Meeresschildkröten beobachten zu können. Denn eine ganze Reihe von Tourismusprojekten mit Bau von Hotels und Apartmenthäusern in Küstennähe, die Zunahme des Fischfangs, die zeitweise Verschmutzung durch Rotalgen und die Verschmutzung durch internationale Kriegsschiffe und Öltanker im Persischen Golf haben dafür gesorgt, dass die Bestände dieser urtümlichen Tiere dramatisch zurückgehen. 

Schutz der Nistrände

Die Umweltbehörde von Kish lässt einen der wichtigsten Nistplätze der bedrohten Meeresschildkröten, einen rund einen Kilometer langen, flachen Strandabschnitt, seit einigen Jahren schützen. Drei Wildhüter bewachen während der Nist- und Brutzeit von Mitte März bis zum Sommer das Schutzgebiet. Es wäre aber dringend nötig, das Schutzgebiet zu erweitern bzw. weitere zu schaffen. Zudem sind die Gefahren vielfältig, auch Seevögel und Marder, die auf der Insel leben, sind eine große Bedrohung für den frischgeschlüpften Nachwuchs der bedrohten Reptilien und bei manchen Einheimischen gelten Schildkröteneier als Delikatesse 

Bei ihrer wichtigen Arbeit zum Schutz der Meeresschildkröten auf Kish, bekommen die Artenschützer Unterstützung von der AGA. Dringend benötigte Ausrüstung, wie Ferngläser, spezielle Taschenlampen und Nachtsichtgeräte konnten bereits zur Verfügung gestellt werden und helfen, die Niststrände besser zu bewachen. Mit Hilfe der AGA wurden in 2010 auch erstmals Meeresschildkröten nach der Eiablage markiert, um so mehr über ihre Wanderrouten zu erfahren. So konnte mit Unterstützung der AGA auf Kish das erste Monitoringprogramm etabliert werden.  Nur mit Hilfe dieser Informationen und weiterer wissenschaftlichen Daten, die während der Nistsaison erhoben werden, kann ein langfristiges, effektives Schutzkonzept entwickelt und umgesetzt werden. Dank der Schutzmaßnahmen schlüpften in 2014 mehr als 1.400 Schildkrötenbabys am Strand von Kish.

Internationale Zusammenarbeit zum Schutz der Meeresschildkröten

Auch für die Meeresschildkrötenschützer aus anderen Ländern sind die gesammelten Informationen sehr wertvoll, da die charismatischen Meeresreptilien nur zur Eiablage an Land kommen. Den größten Teil ihres Lebens verbringen sie im Meer und legen dabei weite Strecken durch internationale Gewässer und entlang der Küstengebiete unterschiedlicher Länder zurück. Deshalb reicht es nicht aus, nur ihre Niststrände zu schützen. Auch im Meer lauern viele Gefahren, wie beispielsweise Netze und Langleinen der Fischereiindustrie sowie immer mehr Plastikmüll. Deshalb ist es wichtig, das Verbreitungsgebiet der Meeresschildkröten zu kennen und auch mit Artenschützern und Wissenschaftlern aus anderen Ländern zusammenzuarbeiten.

Vom 19.-25. April 2015 haben mehr als 650 Artenschützer und Wissenschaftler aus der ganzen Welt während des 35. International Sea Turtle Symposiums in Dalyan (Türkei) über den Schutz der Meeresschildkröten beraten, diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Für die AGA hat Geschäftsführerin Birgit Braun an dem Symposium teilgenommen. Zudem konnten, mit Unterstützung der AGA, auch unsere Kollegin Maryam Mohammadi von der iranischen Insel Kish teilnehmen. Besonders erfreut waren die Teilnehmer des Symposiums über die Berichte aus unserem Projekt im Iran, denn über die Meeresschildkrötenbestände und die Situation an den Niststränden in dieser Region ist bisher nur wenig bekannt.

Umweltbildung mit Kindern

Um den nachhaltigen Erfolg des Schutzkonzepts zu sichern, haben die Artenschützer von Kish bereits begonnen, auch den Kindern in den Schulen zu vermitteln, wie wichtig Natur- und Artenschutz sind. Da beispielsweise Plastiktütenein großes Problem auf Kish darstellen, möchte die AGA durch Umweltbildungsaktionen mit Kindern für die Verwendung wiederverwendbarer Stofftaschen werben. Gemeinsam mit Schulklassen und anderen Kindergruppen sollen Malaktionen durchgeführt werden, bei denen sich die Kinder ihre eigene Stofftasche mit einem Meeresschildkröten-Motiv bemalen können. Natürlich erfahren sie und ihre Eltern im Rahmen der Aktion auch mehr über die faszinierenden Meeresreptilien, warum sie bedroht sind und was jeder Einzelne zu ihrem Schutz beitragen kann.

Dank der Unterstützung durch den HAND IN HAND-Fonds von der Deutschen Umwelthilfe e.V. und Rapunzel Naturkost GmbH sind wir zudem gerade dabei, für unsere Arbeit auf der iranischen Insel eine persische Version unserer Meeresschildkröten-Ausstellung sowie ein Kindermalbuch zu erstellen.

Helfen Sie mit Ihrer Spende!

Die politischen Probleme der Hauptstadt sind von der Insel Kish noch immer weit genug entfernt. Die Umweltschützer lassen sich davon nicht irritieren, aber sie sind für ihre Arbeit dringend auf Hilfe angewiesen. Noch besteht die Möglichkeit, effektive Schutzmaßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, um illegale Aktivitäten zu stoppen. Aber die Zeit drängt.

Nur mit Ihrer Unterstützung ist es uns zudem möglich, unser Umweltbildungsprogramm weiterhin durchzuführen und auszubauen. Die Förderung durch den HAND IN HAND-Fonds in Höhe von 5.000 Euro deckt beispielsweise etwa ¾ der Kosten, um auf Kish ein angepasstes Umweltbildungsprogramm zu starten. Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Spende, diesen Einsatz der Meeresschildkröten-Ausstellung auf Kish zu ermöglichen.

So helfen uns beispielsweise bereits

  • 15 Euro bei der Erstellung einer persischen Version unserer Meeresschildkröten-Ausstellung und eines Kinder-Malbuchs über das Leben und den Schutz der Meeresschildkröten.
  • 30 Euro tragen dazu bei, Umweltbildungsaktivitäten an Schulen durchzuführen und mit den Kindern Stofftaschen bemalen zu können, um die Nutzung von Plastiktüten auf Kish zu reduzieren.
  • 45 Euro tragen zur Sicherung des Niststrandes und der Durchführung unseres Monitoringprogramms bei.

Bitte helfen Sie jetzt mit einer Spende, die Kinderstube der bedrohten Meeresschildkröten auf der Insel Kish zu schützen. Auch mit der Übernahme einer Patenschaft können Sie helfen, als Projektpate mit einer regelmäßigen Spende ab 7 Euro im Monat.

Rundschreiben 1/2015

Im Einsatz für den Schutz der Meeresschildkröten WEITER

Bilder 1-5: © KFZO

Bilder 6-8: © Birgit Braun/AGA